MOBILROT REGALSYSTEME
IN DER BUNDESKUNSTHALLE
PROCOSS REGALE ALS TRAGENDE
SÄULE DER AUSSTELLUNG
WIR KAPITALISTEN: Von Anfang bis Turbo

Kuratoren: Henriette Pleiger & Wolfger Stumpfe
Ausstellungsarchitektur & Design: Studio Miessen, Berlin
Ausstellungsgrafik: Studio Mahr, Berlin

„Es ist einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus.“ Mark Fisher

Der Kapitalismus ist weit mehr als nur ein ökonomisches System. Er ist eine Gesellschaftsordnung, die unser Denken, Fühlen und Dasein seit Jahrhunderten prägt. Aus einer kulturhistorischen Perspektive betrachtet die Ausstellung die grundlegenden Eigenschaften des Kapitalismus: Rationalisierung, Individualisierung, Akkumulation, Geld und Investitionen sowie typische kapitalistische Dynamiken wie ungebremstes Wachstum und schöpferische Krisen.

Diese „DNA des Kapitalismus“ ist in einem übertragenen Sinne längst Teil unserer eigenen DNA geworden: Wie formt der Kapitalismus unsere Identität und Geschichte, zum Beispiel hinsichtlich Individualität, Zeitempfinden und materiellem Eigentum? Und können – oder wollen – wir daran etwas ändern?

Mit Objekten aus Kunst, Geschichte und Alltagskultur ermöglicht die Ausstellung eine Annäherung an ein komplexes Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz – und großer Lebensnähe für uns alle.

Entwurfskonzept

Der vorliegende, systemische Entwurf präsentiert eine übersichtliche, regalierte Ausstellungs-Architektur, die den kuratierten Objekten ihre hierarchischen Referenzen entzieht. Die Gesamtästhetik der Ausstellung orientiert sich an multinationalen Logistikunternehmen und Datenzentren. Die Architektur bemüht sich hier als Bindeglied zwischen kuratorischem Ansatz und visuellem Konzept einen Transfer herzustellen: aus dem Archiv auf die Wand.

Alle Objekte werden in standardisierten Industrieregalen gezeigt, die flexibel genug sind sämtliche Display-Typologien inklusive Vitrinen aufzunehmen. Ein Handbuch dient als grafischer & inhaltlicher Leitfaden, mit dessen Hilfe die Besucher eine persönliche Beziehungen zu den Exponaten und inhaltlichen Clustern herstellen.

Raum

Heute steht nichts mehr für die Aneignung, Übernahme, und Prozesse transnationaler Konzerne, als das Logistikzentrum von Amazon. Wie Liam Young kürzlich schrieb, sind viele der wichtigsten architektonischen Räume heute solche, in denen sich kaum noch Menschen bewegen. Er bezieht sich dabei auf die Architektur der Lager- und Serverhallen, Depots, Daten-, Distributions-, und Rechenzentren sowie Freihandelszonen. Räume, die Keller Easterling in „Extrastatecraft“ als das Operationssystem der modernen Welt bezeichnet. Es sind diese Räume, die aus der Unsichtbarkeit einer logistischen Hyperrealität heraus Großteile unserer Alltagsrealität prägen, und die ein Post-Anthropozän beschreiben: eine Ansammlung menschlich-produzierter Objekt-Referenzen in Zeiten einer post-humanen Indexierung.

Diese Ästhetik der Rationalisierung und Optimierung offenbart die Prozesse geopolitischer Realität im Mikrokosmos einer Architektur: als physische Verräumlichung unserer virtuellen Realität, in der jegliches Objekt enthierarchisiert, indexiert, und distribuierbar gemacht wird. Hier entblößt sich der Kapitalismus in seiner reinsten Form: in der einer verräumlichten und beschleunigten Technokratie.

Parcours

Um in den Ausstellungsraum zu gelangen bewegt man sich durch das „Backend“ der Exponat-Realität, konkret: die Infrastruktur, die es den Exponaten erlaubt hat in die Bundeskunsthalle zu reisen. Sämtliche Transportkisten sowie Verpackungsmaterialien aller Exponate werden hier methodisch aufgereiht und präsentiert. Diesen Archiv-Bereich verlassend bewegt man sich im Uhrzeigersinn durch einen Ausstellungs-Donut (Kapitel 1 – 15) mit zwei zusätzlich angeschlossenen Räumen, den Kapiteln 5 & 6, sowie der KapitalICHmus White Cube.

Das systemische Ausstellungsdesign in Kollaboration mit der Firma Mobilrot ermöglicht es die einzelnen und teilweise sehr langen homogenen Regalelemente so (heterogen) zu gestalten, dass sämtliche Ausstellungsexponate eine individuell angepasste Lösung erhalten.

Die Ausstellungsansichten sind von: Laurin Schmid / BILDKRAFTWERK

© Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH 

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